SCST Sanitation Concepts for Separate Treatment

Demonstrationsprojekt
Sanitärkonzepte für die separate Erfassung und Behandlung von Urin, Fäkalien und Grauwasser

Projektpartner: KWB, BWB, Veolia
Berater: Otterwasser GmbH
Unterauftragnehmer: TUHH, TUB, HUB
Projektvolumen: 2,22 Mio €
Projektdauer: 01.01.2003-31.12.2006

Das Projekt wurde im Rahmen des LIFE-Programms der Europäischen Gemeinschaft (LIFE03 ENV/D/000025) gefördert.





Zusammenfassung

Zentrale, konventionelle Wasserver- und Abwasserentsorgungskonzepte, in industri­alisierten Ländern seit Jahrzehnten entwickelt und angewandt, sind aufgrund hoher Kosten, hohen Wasserverbrauches und geringer Wiederverwendung von Nährstoffen nicht hinreichend nachhaltig. Dies gilt insbesondere nicht für den Einsatz in Entwicklungslän­dern. Zielvorstellungen der nachhaltigen Konzepte sind eine weitgehende Wiederverwendung des gereinigten Abwassers, sowie der Nährstoffe, verbunden mit einem geringeren Energiebedarf bzw. einer Produktion von Energie. Alternative Konzepte und Techni­ken stehen bereits seit einiger Zeit zur Verfügung und werden auch angewendet, dennoch sind weitere Entwicklungen und Plausibilitätsprüfungen erforderlich.

 

 
Betriebsgebäude des Klärwerks Stahnsdorf
Betriebsgebäude des Klärwerks Stahnsdorf
Wohngebäude am Klärwerk Stahnsdorf
Wohngebäude am Klärwerk Stahnsdorf
Vakuumtrenntoilette (umgerüstete Roediger No-Mix-Toilette)
Vakuumtrenntoilette (umgerüstete Roediger No-Mix-Toilette)

Aus diesem Grund hat das Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB) zusammen mit den Berliner Wasserbetrieben (BWB) und Veolia Water ein entsprechendes EU-Demonstra­tionsprojekt (Sanitation Concepts for Separate Treatment (SCST)) durchgeführt. Hierbei wurden zwei unterschiedliche Sanitärkonzepte in Gebäuden der BWB auf dem Gelände des Klärwerks Stahnsdorf erprobt.

 

 

 

Pflanzenkläranlage
Pflanzenkläranlage
Schwerkraft-Trenntoilette (Roediger No Mix toilet)
Schwerkraft-Trenntoilette (Roediger No Mix toilet)
wasserfreie Urinsammlung (Pfeil zeigt auf Urinablauf)
wasserfreie Urinsammlung (Pfeil zeigt auf Urinablauf)

Ziel

Ziel dieses Projektes war die Erprobung, ob diese neuen Sanitärkonzepte sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht signifikante Vorteile gegenüber den konventionellen Sanitärsystemen mit Schwemmkanalisation und Kläranlage (end-of-pipe-system) bieten.

Umsetzung

Die neuen Sanitärkonzepte für die separate Ableitung und Behandlung von Gelbwasser (Urin), Braunwasser (Fäkalien ohne Urin zzgl. Toilettenspül­wasser) und Grauwasser (Küche, Bad) wurden in bestehenden Gebäuden (Betriebsgebäude und Wohngebäude) auf dem Gelände des Klärwerks Stahnsdorf bei Berlin realisiert. Das neue Sanitärkonzept im Betriebsgebäude wurde 2002/2003 im Rahmen der Gebäudesanierung installiert und wurde im Frühjahr 2005 auf das Wohngebäude erweitert.

 

Neue Sanitärkonzepte (links: Schwerkrafttrenntoiletten, rechts: Vakuumtrenntoiletten)
Neue Sanitärkonzepte (links: Schwerkrafttrenntoiletten, rechts: Vakuumtrenntoiletten)
 
Ruhezustand - das Ventil des Urinablaufs ist geschlossen.
 

Ergebnisse

Die wichtigsten Ergebnisse sind: 

  • Die getesteten Sanitärkonzepte sind grundsätzlich funktionstauglich;
  • Mit den getesteten Toiletten konnte nur 30 – 40 % und nicht wie erwartet ca. 70 – 80 % Urin abgetrennt werden;
  • Einige Techniken (Toiletten, Fäkalienseparator etc.) müssen verbessert werden;
  • Die Reinigung des Grauwassers mit der Pflanzenkläranlage entspricht den Erwartungen;
  • Die Düngewirkung von Urin ist gleich gut wie von Mineraldünger;
  • Ergebnisse der Umfragen bezüglich der landwirtschaftlichen Verwertung bei den Benutzern, Verbrauchern und Landwirten sind motivierend;
  • Arzneimittel und Hormone in den Produkten (Urin, Fäkalienkompost, ausgefaulte Fäkalien) könnten ein Hindernis für dessen Verwendung als Dünger sein. Viele Akteure, die sich mit neuen Sanitärkonzepten beschäftigen, schätzen jedoch den Nutzen dieser Produkte viel höher ein als den Schaden, der evtl. durch diese Mikroverunreinigungen entstehen könnte;
  • Dampfstrippung in Kombination mit Magnesium-Ammonium-Phosphat (MAP)-Fällung ist das favorisierte Verfahren zur Nährstoffkonzentrierung des Urins;
  • Ergebnisse der Ökobilanz zeigen Vorteile für die getesteten Sanitärkonzepte;
  • Die Kosten für die neuen Sanitärkonzepte hängen sehr stark von der örtlichen Situation ab und können Vorteile für sie aufweisen;
  • Das Interesse an diesem Projekt ist sehr groß. Angeregt durch die Internetpräsentation und vielen nationalen und internationalen Vorträgen zu diesem Projekt haben sich bereits ca. 500 Besucher aus dem In- und Ausland vor Ort informiert.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse bestätigen ein Entwicklungspotential für neue Sanitärkonzepte. Für eine Einführung in größerem Maßstab sind weitere Entwicklungsschritte, insbesondere auf dem Bereich der Sanitärtechnik, erforderlich. Da die Themen Wassereinsparung, Wasserwiederverwendung, Nährstoffrecycling und Energieeinsparung immer wichtiger werden, sind generell weitere Arbeiten zu diesen Themenfeldern notwendig, was auch an vielen anderen Stellen bereits geschieht. Beispielsweise hat die DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.) 2005 einen Fachausschuss „Neuartige Sanitärsysteme“ gegründet, der das aktuelle Wissen zu dieser Thematik zusammenträgt und veröffentlicht. Beispiele für Anwendungen neuartiger Sanitärsysteme sind die Solar City in Linz (Österreich), Haus Griesbach der EAWAG (Schweiz) und in Deutschland neben dem SCST-Projekt in Stahnsdorf die Siedlung Flintenbreite (Lübeck), die Fa. Hans-Huber (Berching), die Lambertsmühle (Burscheid) und die GTZ (Eschborn). In einigen diesen Projekte wird an der Weiterentwicklung dieser Thematik gearbeitet. In Berlin sind z.Z. keine Anwendungen geplant, da vor allem noch oben angeführte Probleme bzw. Unklarheiten bestehen (Details siehe SCST-Abschlussbericht).

 

title
Kontakt:

Dr.-Ing. Anton PETER-FRÖHLICH (Berliner Wasserbetriebe)
anton.peter-froehlich(at)bwb.de